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Neu seit Dezember 2021 schon oft von Kennern gekauft, 40 von Bibliotheken angekauft. Der Schriftsteller Dittker Slark aus Darmstadt (Rückert-Biografie) hält es für "die beste Autobiografie, die er je gelesen hat".






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Mannesjahre eines Sturkopfs (2. Teil der Trilogie) Der Werdegang eines Regimekritikers.

Leseprobe 1, S. 228 - 229:
"... Als Carl beim dritten Hausbesuch in der Gasse am Feld endlich den Krankenfahrer antraf, von dem Walter Hase gesprochen hatte, fand er einen kräftigen untersetzten dunkelhaarigen Typen, der gerade seine Kaninchen in zwanzig Ställen fütterte.
   "Hallo! Sie sind Friedel. Zwanzig Ställe und in jedem zwei, drei Tiere. Wie schaffen Sie das, für alle Futter heranzuschaffen?"
   "Viel Bewegung. Die Schubkarre rausholn. En Berg Gras sensen. Frie und abends. Die Viecher mampfen was weg."
   "Das geht aber nur im Sommer?"
   "Klar. De Vegetation durch. Im Winter bleim nur die Häsinn´."
   "Anstrengend, aber ein schöner Nebenverdienst."
   "Ja, der eene Teil."
   "Was noch?"
   "Na, der Mastbulle im Stall hinten. Der bringt´s Weihnachtsgeschenk an Umsatz."
   "Aber nebenbei fahren Sie die Kranken?"
   "Muss ja sinn, hauptberuflich."
   "Hat Walter Hase mal mit Ihnen gesprochen, wegen der Planierraupe?"
   "Für den Schulbau?"
   "Eben."
   "Nur kurz. Der Bau soll da oben auf die schräge Wiese?"
   "Genau. Können Sie da was machen, so nebenbei? Sie sollen einen kennen, der einen Raupenfahrer kennt?"
   "Ich kann´s versuchen. Was springt für mich raus?"
   "Hm. Hundert Mark?"
   "Hundertfünfzig!"
   "Abgemacht. Und der Mann arbeitet nach Stunden?"
   "So ist es. Fünfzig Emmchen pro."
   "Wie lange wird er brauchen?"
   "Kommt auf die Fläche an."
   "Es wird eine Polytechnische Oberschule für drei Orte. Vorher genau abgesteckt."
   "Mächtig viel. Zwei, drei Tage bestimmt."
   "Sie kümmern sich?"
   "Mach ich."
   "Auch nebenbei!" 
   Beide lachen und nachdem sich Carl noch den Bullen angesehn hatte, verabschieden sie sich als zwei Freunde.


Leseprobe 2, S. 287 - 289:

"...Ein Auto aus der Stadt stand vor dem Haus, als Carl zu Fuß heim marschiert kam. Im Wohnzimmer saßen zwei Herren bei Luise, die ihnen Kaffee zubereitet hatte. Sie begrüßten den Bürgermeister überschwänglich, stellten sich als Mitarbeiter der Bezirksleitung vor und wollten, wie sie sagten, für die Mitarbeit in notwendigen Kontrollgremien werben. Es ginge darum, die Stimmung in der Bevökerung zu erfassen, um geeignete Maßnahmen einzuleiten, damit Wünsche und Bedürfnisse der Bürger noch besser erfasst werden können als bisher. Man sei doch einer Meinung, dass man nie genug für das Wohl des Volkes tun könne. Sie beide seien als Genossen sicher bereit, noch kräftiger mitzuhelfen als ohnehin schon, die Einheit zwischen Staat, Partei und Bürgern so eng wie möglich zu gestalten.    
   Bei Carl machte sich ein mulmiges Gefühl in der Magengegend bemerkbar. Er spürte, dass hinter den schwammigen Begriffen nichts Gutes stecken konnte und meinte, ob sie noch Mitarbeiter für die Arbeiter- und Bauerninspektion brauchten? Er hätte selber genug im Ort zu tun und wolle sich nicht weiter verzetteln. Nein, nein, hieß es, die ABI sei voll arbeitsfähig. Er bemerkte, dass auch Luise unruhig auf ihrem Stuhl hin und her rückte und fragte nun direkt, wofür ihre geschätzten Dienste benötigt würden.
   Ja, es ginge eigentlich gar nicht um etwas Bestimmtes, nur darum, die Augen und die Ohren offen zu halten und wenn ihnen etwas auffiele, das nicht mit der sozialistischen Ordnung und Lebensweise übereinstimme, es den Organen, die dafür zuständig seien, mitzuteilen.
   Carl schüttelte den Kopf und meinte, er wüsste nicht, was er in seiner Funktion noch besser machen könne, als sich ständig mit irrigen Ansichten auseinander zu setzen. Das sei ehrenwert, hieß es, nur davon würden die Organe nichts erfahren und die müssten den Überblick über alles behalten, was gesprochen würde und was vielleicht Folgen zeitige, die nicht wieder rückgängig zu machen seien.
   Sie sollten endlich mit der Sprache herausrücken, verlangte der Hausherr, wer die Meldungen noch erhalten solle, die er ständig an den Rat des Kreises und die Kreisleitung berichte. Die Herren sahen sich an und meinten, sie brauchten keine Planzahlen oder Sachberichte, die sie alle besitzen. Die ganze Wahrheit erführe man erst nach dem dritten Glas Bier in der Kneipe und darum ginge es.
   "Also arbeiten Sie für den Staatssicherheitsdienst", wurde Carl deutlich. "Warum sagen Sie das nicht gleich?" Die Männer lachten und äußerten, dass man eben nicht mit der Tür ins Haus fallen dürfe. Mancher nähme es übel mit der nackten Wahrheit. Carl lachte auch, aber anders, blickte zu seiner Frau und fragte sie, was sie von dem Ansinnen halte.
   Luise druckste herum, dass sie für den Staat eingestellt sei, was sie bereits bewiesen habe, als sie mithalf, einen Grenzdurchbruch zu verhindern. Damit sei sie doch bestens geeignet, freuten sich die Männer, als ihnen Carl ins Gesicht sagte, dass für ihn eine solche Art und Weise, die Bürger auszuforschen, nicht in Frage komme. Seine Einstellung zu Partei und Staat drücke sich in ehrlicher Haltung und in offenen Gesprächen aus, aber nicht durch Berichte hinter dem Rücken der Leute. Den Gästen gefror das Lächeln im Gesicht und einem fiel regelrecht die Kinnlade herunter. Sie standen abrupt auf, knirschten sich einen Dank für den Kaffee aus den Mundwinkeln und einer meinte, dann könnten sie auch ihre mageren Einkünfte nicht verbessern.
   "Nein", rief Carl ihnen nach, "am Judaslohn hängt kein Segen" und hielt ihnen die Tür nach draußen auf.
   "Ich glaube", meinte Luise, als sie durch die Gardine zusah, wie die Herren ihren Wartburg bestiegen, "du hast dir jetzt die STASI zum Feind gemacht. Konntest du deine Ablehnung nicht etwas milder ausdrücken?"
   "Wenn mir die Galle überläuft, kann ich mich nicht bremsen. Es ist ein Fehler, ich weiß."

 *


Seit März 2020  1. Auflage verkauft, davon in 77  Bibliotheken für Hunderte Leser eingestellt. Keine Werbung im Buchhandel.

Hörprobe (mp3) der Bibliothek Merzig/Saar finden Sie unter Leseangebote Prosa

Premieren-Lesung am Fr., 17. 7. 2020 um 17.00 Uhr in der Poetenstube Ziegenrück, Kirchstr. 1. Eintritt: 5, 00€.
Musste verschoben werden.

Nächste Lesung: Mi., 7. Oktober 2020 um 18.00 Uhr im Museum Dreiländereck in Lörrach, Bad.-Württemberg. Ist erfolgt trotz Corona!

Folgende Lesung: Fr., 30. Oktober 2020 um 18.00 Uhr in Jena Gaststätte "Zur Noll", Kreuzgewölbe, Eintritt: 8,00 €.
Musste wieder abgesagt werden.
Max. 15 Teilnehmer. Voranmeldung: T: 036483 20340.

Begrenzte Plätze und Coronaschutz.



Jugendjahre eines Sturkopfs  von Claus Irmscher, Roman der Entwicklung einer Persönlichkeit im Osten,        326 Seiten, Kapitalband, ISBN 978-3-941892-38-5. Digital auf der Buchmesse Frankfurt 14. - 18. 10. 20 ausgestellt. Präsentation auf der Leipziger Buchmesse im Mai 2021 geplant, wurde abgesagt. 1. Auflage vergriffen, mit 2. Auflage lieferbar. 25,00 €.   Als pdf auf Ihren Computer:   12,50          Leseprobe S.47 - 52:

"... Ob die Schicksalsgöttin seinen Zweifel gehört hatte oder der Zufall merkwürdige Kapriolen schlug, wer konnte es wissen? Die Tante wurde nach kaum einem halben Jahr krank, mit einem anderen Leiden als der Vater, musste wie er ins Krankenhaus und kam nicht wieder. Da war nun guter Rat ganz teuer. Im Haus mit Garten werkelte nur der tapsige Riese, der mit Carl nichts anzufangen wusste und der Junge nichts mit ihm. Dann gab es noch die stämmige Cousine, die auf dem nahen Flugplatz kochte. Diese Tätigkeit hielt die Familie über Wasser, denn die Köchin kam zuverlässig von der Arbeit mit einem Essgeschirr voll Reissuppe oder ähnlichem zurück, auf dem dermaßen viel Fett schwamm, dass sich daraus zwei bis drei Mahlzeiten herstellen ließen.
   Hinter den Kulissen spielten sich Gespräche ab, in die Carl vorerst nicht einbezogen wurde. Er verstand nur, dass er nicht bleiben könnte, was er ohne die Tante auch nicht wollte, und dass er nicht zurück zu Erna durfte, die mit der Erziehung ihres kleinen Lutz ausgelastet war. Was sollte da aus ihm werden? Eher unbewusst als klar denkend fühlte Carl sein Dasein als ein Verhängnis. Überall, wo er hinkam, starb nach kurzer Zeit jemand. Lastete auf ihm ein Fluch? Wie sollte er unter diesen Umständen an sich glauben? Bis jetzt war er Spielball des Schicksals. Wann würde das jemals anders und besser? Es wurde noch schlimmer.
   "Du kannst nur noch zu deiner Tante Ingeborg in die Großstadt nach Leipzig", eröffnete ihm die Kochcousine eines Abends seine weiteren Aussichten. "Andere Tanten haben keinen Platz für dich oder sie sind krank. Das weißt du doch. Es gibt nur noch die in der Stadt mit ihrem Mann und einem Sohn, bisschen jünger wie du".
   "Na, das geht ja", reagierte Carl und dachte, dass es 'als' heißen müsste, nicht 'wie', und mit einem Anflug von Sarkasmus versuchte er zu scherzen: "Da steh ich wenigstens nicht auf der Straße".
   "So schlimm ist es auch wieder nicht. In der Verwandtschaft kamst du bisher immer unter. Fahr mal dahin! Dort kommst du unter die Leute. Was meinst du, wie viel da herumlaufen? Schrecklich. Hier fühlst du dich doch nicht wohl".
   "Nein, wirklich nicht", kam die Bestätigung.
   "Du packst deine paar Sachen in deinen Koffer. Vater bringt dich morgen früh zum Bus. Danach steigst du in den Zug und am Ziel am Hauptbahnhof wirst du abgeholt. Das schaffst du doch alles spielend, oder?"
   "Klar".
   "Von der Schule melde ich dich ab. Ich pack dir noch paar Bemmen ein, mit Speck von den Russen. Einverstanden?"
   "Was soll ich denn dazu sagen?"
   "Stimmt. Da gibt es nicht mehr viel zu sagen. Du wirst dich übrigens wundern, wer das in Wirklichkeit ist, deine neue Tante".
   "Wer ist sie denn?"
   "Das erfährst du schon noch. Geh jetzt schlafen, das letzte Mal unter unserem Dach".
   Bevor Carl an diesem Abend im Bett zur Ruhe kam, vergingen Stunden. Seine Gedanken kreisten ihm durch den Kopf, als wären sie Sitze an einem Kettenkarussell, das sich rasend schnell drehte. In jedem Sitz saß eine der Verwandten. Er wusste ja, dass sein Vater der Sohn der verstorbenen Großeltern war und dass seine Tanten, die er bisher erlebt hatte, dessen Schwestern waren, auch Kinder der Großeltern, drei Stück in Penig, eine hier in Nobitz, macht mit Vater schon mal fünf; eine weitere soll auf und davon gegangen sein, weil sie sich für die ganze Sippschaft geschämt habe; und nun gab es also noch eine Schwester, die seine Tante ist. Zusammen gerechnet kam er auf sieben Stück Geschwister. Er grinste ins Kopfkissen über den Begriff Stückzahl, der bei Textaufgaben in Mathe üblich ist. Weil es immer hieß, die Großeltern hätten zehn Kinder gehabt, müssen demnach drei früh gestorben sein, entweder im Krieg gefallen oder sonstwie anhanden gekommen. Wenn die siebente Tante aber in Wirklichkeit nicht seine Tante sein soll, wer war sie dann? Vielleicht so eine wie die Erna, die auch nicht seine richtige Tante ist? Welche verflixte Beziehung gibt es denn noch? Morgen würde er es erfahren. Er wälzte sich noch im Schlaf unruhig hin und her.

   Diese Tante, die ihn zu einer vereinbarten Zeit am Hauptbahnhof empfing, nachdem sie ihn erkannt hatte, war untersetzt, stämmig, schwarzhaarig und hatte eine dominant aufreizende Aussprache:
   "Da bist du ja nun angekommen, wo du hinwillst. Wir gehn hier entlang." Damit drehte sie sich auf dem Absatz um und marschierte los, vom überdachten Bahnsteig über den offenen Querbahnsteig, dessen Dach noch vom Krieg zerbombt war, durch die Halle dem Ausgang zu. Carl trottete hinterher und dachte, dass die Begrüßung nicht sehr einladend klang. Gegenüber Menschen mit lauter Stimme hat er seit je eine Abneigung. Er vermutet bei ihnen eine innere Leere, die sie durch forsches Auftreten überdecken wollen. Er grübelte über dem 'wo du hinwillst'. 'Ich will gar nicht hierher! Mir bleibt nur nichts anderes übrig'. Der Lärm auf den Straßen, die Fahrt mit der Straßenbahn und der Fußweg in der neuen Umgebung lenkten seine Gedanken ab. Sie kamen nach mehreren Straßen an einem schäbigen Mietshaus mit Vorgarten neben einer Straßenkreuzung an. Dahinter befand sich ein schmaler Hof mit Kopfsteinpflaster und einer Werkstatt am Ende. Ins Haus ging es über Betonstufen durch die schäbige Veranda in die Erdgeschoss-Wohnung. Die ganze Zeit hatte die Tante kein Wort gesprochen. 'Freundlich empfangen werde ich hier nicht', dachte er, 'das kann ja heiter werden. Die neue Verwandte wies ihm mit kurzen Worten ein Bett in einem schmalen Zimmer mit Fenster zum Hof zu, das zwei Außenwände aufwies, ein schmales Tischchen mit Stuhl und für die Sachen einige Fächer in einem älteren Kleiderschrank.
   "Ruh dich aus. Ich ruf dich zum Abendessen." Carl, der sich vorkam wie abgeführt, setzte sich an den Ableger von einem Tisch und versuchte nachzudenken. Hier sollte er die nächsten Jahre verbringen? Nicht die Umgebung schreckte ihn, so schäbig sie war. Er stellte keine Ansprüche. Es war der Frost im Umgang, der ihm bei jedem Wort wie Eis erschien. Er erschrak vor dieser Kälte und war sich sicher: Diese Frau mochte ihn nicht. Wer weiß, ob sie überhaupt jemanden liebte? Gegen sie waren die bisherigen Tanten Engel. Gut, vielleicht hatte sie nur ihren schlechten Tag? Neu für ihn war, dass er in der Großstadt leben wird. Ob alle Leute so unpersönlich sind, weil es da hektisch zugeht? Er musste abwarten und sich anpassen, egal, was ihm die Gefühle für Signale sendeten. Das Leben ist kein Zuckerlecken. Am Abendbrottisch hatte sich Benno, der Sohn der Familie, eingefunden. Er war ein Stück kleiner, blickte Carl nur kurz von der Seite an und beachtete ihn nicht weiter. Die Hausherrin wies dem Gast einen Platz zu. Er durfte sich ein Brot nehmen. Als er nach der aufgeschnittenen Wurst mit der Hand fassen wollte, weil keine Gabel bereitlag, wurde er sofort belehrt:
   "Wir fassen hier nicht mit den Fingern hin. Hast du das so gelernt?"
   "Es ist keine Gabel da."
   "Dann fragst du und ich teile dir zu, was du möchtest," bekam er zur Antwort. Carl schluckte, ohne zu essen. "Also, was möchtest du?"
   "Ein Stück Wurst."
   "Bitte!", erhielt er das Gewünschte in scharfem Ton. Während Carl mehr würgte als schluckte, beobachtete er, wie sich der Sohn des Hauses die Wurstscheiben ungeniert mit den Fingern von der Schale nahm und sogar doppelt auflegte. Seine Mutter sagte kein Wort. 'Da weiß ich,' dachte Carl, 'wo ich gelandet bin: In einem Gruselfilm.' Als er nach einer Tasse voll farb- und geschmacklosem Tee, und nachdem der Tisch abgeräumt wurde, ein Bedürfnis verspürte, bekam er zu hören:
   "Da gehst du über den Hof. Unser Klo ist das zweite rechts. Der Schlüssel hängt am Hakenbrett. Aber pinkel mir nicht auf den Sitz! Sonst machst du es selber weg!" Die Anweisungen kamen wie Befehle. 'Bin ich in einer Erzeihungsanstalt?', schoss es Carl durch den Kopf und er tat, wie ihm geheißen wurde. 'Wie soll bloß der Abend verlaufen, wenn hier so ein Ton herrscht?', fragte er sich. 'Soll ich lieber gleich ins Bett gehen?' Doch wider Erwarten schien die fremde Tante ihr Pulver für heute verschossen zu haben. Er durfte sich auf einen Stuhl am Tisch setzen, nachdem der Sohn im nächsten Raum verschwunden war, sie legte ihm gar eine Zeitschrift hin und ließ das Radio laufen, aus dem leise Operettenmusik drang, bis sie plötzlich ohne Einleitung zu erklären begann:
   "Ich hätte dich ja damals nicht weggegeben, wenn Ruprecht nicht darauf bestanden hätte. Mit dir hätte er mich nicht genommen und dein eigentlicher Vater dachte gar nicht daran, zu seiner Tat zu stehen. Für ihn war das nur ein Abenteuer. Das musst du verstehen." Hier machte sie eine kleine Pause und blickte von ihrem Sessel aus, in den sie sich niedergelassen hatte, kurz zu Carl. Der kam sich vor wie mit dem schwersten Hammer vor den Kopf geschlagen. 'Was? Wie?' Diese Frau war gar keine Tante? Sie war seine Mutter? Seine richtige Mutter? Hilfe!!!', schrie es in ihm wie in einer hohen Halle, in der das Echo von den Wänden widerhallte. 'Aber, aber, dann war sein guter (verstorbener) Vater gar nicht sein richtiger Vater? Und seine liebe (verstorbene) Mutter auch nicht seine richtige Mutter? Wieso hatten sie ihn dann in den ersten Jahren mit ihrer Liebe umhegt und gepflegt und aufgezogen?' Hier wusste er nicht weiter und sah hilflos diese Frau an, die niemals seine richtige Mutter sein durfte.
   "Was guckst du denn wie eine Gans, wenn`s donnert? So sind die Männer nun mal. Wenn sie ihren Spaß gehabt haben, schlagen sie sich in die Büsche. Was aus der Frau wird, der sie ein Kind angedreht haben, ist denen egal. Ich hätte es schon mit ihm ausgehalten, doch er wollte nichts mehr von mir wissen. Dann hab ich zum Glück den Ruprecht kennengelernt und war froh, dass er mich nicht auch noch verstoßen hat. Nur er wollte mich eben nicht mit dir."
   "Aber mein Vater war doch..." stotterte Carl.
   "Was war er? Max war mein Bruder, also dein Onkel. Seine Frau konnte keine Kinder bekommen. Da haben sie dich aufgenommen, als ich ihn einmal gefragt habe und alles war geregelt. Hat dir denn das vorher niemand erzählt?"
   "Nein, niemand."
   "Na, das sind schöne Verwandte, das alles geheim zu halten. Womöglich wärst du dumm gestorben, wenn die vielen Sterbefälle nicht dazwischen gekommen wären und du wieder bei mir gelandet bist?" Carl starrte vor sich hin, noch immer wie erschlagen von dieser hässlichen Wahrheit, bis er sich langsam gefasst hatte und wissen wollte:
   "Wer ist denn mein richtiger Vater?"
   "Der!" Es war so viel Verachtung in ihrer Stimme, als ob sie damit eine Rechtfertigung suchte, um ihre Handlungsweise ins rechte Licht zu rücken. "Der war ein verzogener Handwerkersohn. Die Eltern führten ein Fleischergeschäft. Da hat er geglaubt, er könnte sich alles erlauben, dieser Schwätzer. Er hat mir genug Liebe vorgeheuchelt, bis er seinen Willen bekam. Ja, du bist nun mal sein Produkt. So was lässt sich nicht rückgängig machen."
(Lesen Sie weiter im Buch. Bestellung oben). 

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Letzte Briefe der Soldatenfrau  von Gisela Rein.
Ein kleines Buch gegen den Krieg. Die Autorin wagt im hohen Alter einen Rückblick in ihre eigene Kindheit anhand der letzten Briefe ihrer Mutter an den geliebten Ehemann, der durch Verfügungsgewalt des Staates Soldat werden musste. Sie erlebt so deren Bangen und Hoffen, er möge gesund nach Hause kommen, nachdem sie ihn in vier ihrer nur zehn Jahre währenden Ehe entbehren musste.... Das Schicksal wollte es anders.

   "´s ist Krieg, ´s ist Krieg! O Gottes Engel wehre und rede du darein!
´s ist leider Krieg, und ich begehre, nicht schuld daran zu sein."
Matthias Claudius

Eine junge Frau namens Elfriede Müller, damals vierunddreißg Jahre alt, schrieb an ihren Mann, der Soldat werden musste, unter folgender Adresse: Feldpost Uffz. Rudolf Müller Nr. 05788 b.
"Montag, den. 14. 8. 1944
Mein lieber Rudi! Endlich bekam ich heute wieder Post von Dir, und zwar gleich drei liebe Briefe. Ich danke Dir recht herzlich dafür, und ich bin glücklich, daß Du noch auf deutschem Boden bist. Ich war eine ganze Woche ohne Post und wähnte Dich deshalb schon wieder auf der Fahrt zur Front. Lange wird es ja doch nicht mehr dauern, bis es soweit ist, und deshalb bin ich für jeden Tag dankbar, den Du noch in Deutschland verleben kannst.
Aber ich bin sehr traurig, dass Du mir alle Fleischmarken und Fettmarken zurück geschickt hast. Die hättest Du doch so gut gebrauchen können. Du hättest Dir doch wenigstens noch eine Wurst dafür kaufen können. Lieber nimmst Du Dir 10 trockene Brötchen mit auf die Fahrt. Jedenfalls bekommst Du im nächsten Urlaub für diesen Streich noch tüchtig das Ränzchen geschrubbt. Nun hast Du also auch Ostpreußen kennen gelernt und kennst nun unser Vaterland in allen 4 Ecken. Das hätte ich doch nicht gedacht, daß Du mal nach Ostpreußen verschlagen wirst. Nun kommst Du doch nicht wieder an die Südfront, wie die Kameraden, die in Brüx abgestellt sind. Von Ostpreußen aus ist ja die Front nicht mehr weit. Wenn ihr es nur verhindern könnt, daß der Russe dort in unser liebes Deutschland einbricht.
Es ist schade, daß Du mir nicht schreibst, wie der Ort heißt, wo Du augenblicklich liegst. Du schreibst überhaupt so wenig von Dir. Hier in Deutschland werden doch die Briefe nicht kontrolliert, da kannst Du doch ein bißchen ausführlicher schreiben. Ich sehr froh, daß Du mit Deinem kameraden Willi wieder zusammen gekommen bist. Seht nur zu, daß Ihr zusammen bleiben könnt. Der Willi hat einen guten Eindruck auf mich gemacht, und er paßt gut zu Dir. Bestell ihm bitte einen Gruß von mir.
Von Frau Schnabel weiß ich, daß euer Kamerad Martin noch in Brüx ist, und auch seine Frau ist wieder gekommen und wohnt bei Kopps. Das versprochene Püppchen und ein Dirndelkleidchen, und von Gisela 1 Paar Schuhe, und 3 Holzfigürchen, und ein Tiere-Lege-spiel habe ich nach Brüx geschickt, und Frau Schnabel hat mir einen netten Brief dafür geschrieben. Helga hat sich sehr über die Sachen gefreut, und das Püppchen ruft sie Gisela und spielt den ganzen Tag damit. Hast du nun auch an Schnabels geschrieben? Von Deinen Freunden Adolf und Paul sind auch Briefe gekommen. Ich schicke sie Dir mit.
Du schreibst im letzten Brief vom 7. 8. daß Du zum Sonntag im See gebadet hast, und Dir dabei gewünscht hast, bei uns zu sein. Das kann ich Dir sehr gut nachfühlen. Auch ich habe große Sehnsucht nach Dir, und bin oft traurig. Noch dazu, wo wir von Hermann immer noch keine Nachricht haben. Du hast recht, man darf garnicht nachdenken, sonst wird man wirklich tiefsinnig. Und doch hat man früh und spät nur den einen Gedanken. Heinz hat sich schon mal nach Hermann erkundigt, und den Bescheid erhalten, daß in dem Abschnitt etliche Divisionen von den Russen eingeschlossen waren, und anzunehmen ist, daß alles in Gefangenschaft gekommen ist. Hoffentlich ist der gute Hermann noch gesund. Mutter glaubt ja ganz fest daran, daß er noch lebt. Sie sagt immer, die Russen brauchen auch Sanitäter, da wird er auch Arbeit haben, und es in der Gefangenschaft nicht so schwer haben. Hoffentlich hat sie Recht. Es wäre gar nicht auszudenken, wenn Hermann nicht mehr lebte.
Heinz ist noch rechtzeitig von Warschau herausgekommen. Die Schule befindet sich jetzt in der Tschechei, in der Nähe von Brünn. Es geht ihm auch dort gut. Ruth schickt ihm, was an Verpflegung dort fehlt. Sonst hat sich hier nichts geändert. Nordhausen steht noch, und wir sind alle gesund. Heute in einer Woche kommt Gisela zur Schule. Sie freut sich schon sehr darauf, daß sie dann dem Vati viele Briefchen schreiben kann....
Von Gisela  soll ich Dir recht herzliche Grüße und viele, viele liebe Küßchen bestellen. Und ich drücke Dich in Gedanken ganz fest ans Herz, und wünsche, bleib mir nur immer gesund, und komm bald wieder zu Deiner Elfriede."

Die Frau Elfriede, die hier so fehlerfrei und ausdrucksvoll schrieb, zwar ohne jedes Ausrufungszeichen, bis auf das hinter der Anrede, dafür mit zu vielen Kommata, und die ihrem Mann beim nächsten Urlaub "das Ränzchen schrubben" wollte, war meine Mutter. Ich sehe sie im Geist noch deutlich vor mir. Nicht als demente Greisin, die ich bis zu ihrem Tod mit achtundneunzig Jahren betreut und gepflegt habe, sondern als die junge Frau von damals: Mittelgroß, schlank und gut gewachsen, nicht direkt schön, doch mit angenehmen Zügen unter ihrem feinen dunkelbraunen Haar, meist freundlich lächelnd und immer adrett gekleidet....









Mehrere Gedichte vom BdV Thüringen mit dem Kunstpreis fürLiteratur ausgezeichnet.

Gedichte aus 6 Jahrzehnten, 145 Gedichte und eine Satire sowie 30 Karikaturen von Claus Irmscher, ISBN 978-3-941892-28-6, 1. A. 25,00 €, für Bibliotheken 22,50 €, Lieferbar. Nachfolgend 2 Gedichte von 145 weiteren und 2 Nachträge:

Ausbruch                 
Ich habe die matten Gedichte satt,/ die Brühe aus Knochen von Worten! /  Jetzt will ich das Fleisch am Gebein, anstatt/ der Sehnen, der verdorrten! / Ich klammerte mich an die Schatten der Welt/ und kann mich selbst nicht achten./ Ich mache endlich, was mir gefällt./ Ich werde das Schicksal schlachten!  1975.

An Francois Villon
Alter Gauner, Galgenvogel,/ den die schwarzen Raben fraßen-/ wenn ich dich ins Präsens mogel´/ wirst du durch die Kneipen grasen?
Würdest du der Biere Blumen/ mit des Lasters Kuhmaul pflücken,/ auf der Suche nach den Krumen/ Wahrheit auf des Globus Rücken?
Hab dich nicht begriffen, wenn ich/ Niedrigkeit dir unterstelle./ Wohlstand war dein seltner Pfennig,/ Wohnung die Gefängniszelle.
Musstest paddeln und dich strecken/ in der Tücke des Jahrhunderts,/ schmeicheltest nicht ums Verrecken/ fetten Ärschen - wen verwundert´s?
Brauchst nicht länger lauernd lungern,/ um ein reiches Schwein zu schröpfen./ Setz dich, Kumpel! Sollst nicht hungern!/ Kannst jetzt aus dem Vollen schöpfen.
Nahrung gibt es heute reichlich,/ wohnst gemütlich, brauchst nicht frieren./ Auch Vergnügen, meistens fleischlich, kannst du dir organisieren.
Nur beim Denken musst du üben,/ was du sagst oder verschweigst,/ denn es könnte wen betrüben,/ wenn du Unmut offen zeigst.
Auf der Arbeit, in Geschäften/ horchen viele spitze Ohren./ Sie gehören zu den Kräften,/ die dem König Treue schworen.
König heißt hier Sekretär/ und klingt harmlos unverfänglich./ Er behütet ordinär/ uns in Güte lebenslänglich.
Darfst nicht gehn, wohin du willst,/ streng ist hier die Meldepflicht./ Wo du deine Neugier stillst,/ das bestimmst du selber nicht.
Freiheit wird dir vorgeschrieben,/ Spitzel kann dein Bruder sein./ So wie du es mal getrieben,/ sperrte man dich sofort ein.
Aber mach dir keine Sorgen!/ Die Gefängniskost macht satt./ Einmal kommt ein neuer Morgen,/ fröhlich mit Entlassungsblatt.
Meldest dich beim Polizisten,/ziehst in eine Wohnung ein,/ mimst den braven Sozialisten,/ lass nur stets das Dichten sein!
Wenn du dichtest, bricht der ganze/ Frust, den du verschluckst, heraus,/ denn da geht es dir ums Ganze./ Mit der Nachsicht ist es aus.
Musst dich also nun entscheiden,/ ob du bei uns leben kannst/ und Gewissensqualen leiden,/ wenn du aus der Reihe tanzt.
Doch du willst nicht Händchen falten/ und riskierst ´ne dicke Lippe./ Darum kann ich dich nicht halten./ Flieg zurück zu deiner Sippe!
Lieber gehst du vor die Hunde,/ als dass Dichtung nicht mehr sei./ Bleib der Freiheit bester Kunde/ und vergiss die Schwätzerei!

                                                                                                                                                                                                                      1985

Gastfreundschaft
Mir sind die Flüchtlinge aus Syrien lieber,/ als mancher, der im Ort nicht grüßen kann./ Ihr Leiden geht mir nah wie starkes Fieber;/ wer stumm verbrömmelt, bleibt ein Wichtelmann.
Die Asylanten suchen sichre Bleibe/ wie Deutsche, die der Krieg aus Ost vertrieb./ Die Welt war früher eine flache Scheibe,/ in der an Heimat wenig übrig blieb.
Da war noch deutscher Laut, hier ist ein Lächeln,/ das wir vor kurzem nicht für möglich hielten/ und uns nur kümmerten um Hundes Hecheln,/ als wir mit Bello Klötzchenwerfen spielten.
Nun wird ein zweites Dach auf einmal wichtig/ und Holz für eine warme Unterkunft./ Wer dies besorgen kann, macht alles richtig,/ beschämt des Fremdenfeindes Unvernunft.
Bei manchen ist es eng im Oberstübchen;/ sie schmorn am liebsten nur im eignen Saft;/ es rührt sie keines Kindes Wangengrübchen/ und nicht des blanken Terrors Zeugenschaft.
Neubürger üben fleißig deutsche Sprache;/ es gilt bei Allah Jesus als Prophet;/ zur Ehre Gottes bläst man die Fanfare/ gemeinsam trotz getrenntem Alphabet.
Die Kirpse plappern schon die deutschen Zahlen,/ die uns vormals der Orient geschenkt;/ bald geht die Flucht ein in Geschichtsannalen,/ was Gastfreundschaft in unser Land gelenkt.
Wer innerlich ist einmal angekommen,/ macht Deutschland reicher, als es war zuvor/ und Fünkchen Güte, die im Herzen glommen,/ solln Früchte tragen, die man gern beschwor.

                                                                                                                             *

Norbert Blüm
Er hatte Arbeiterblut in den Adern/ rote Blutkörperchen waren sein Stolz/ mit Menschenrechten ließ er nicht hadern/ und als Schlosser pochte er hart auf Holz.
Auf die Rente legt´ er besonderen Wert/ die hatte heilig zu sein und sicher/ ein Staat, der diese Versorgung nicht ehrt/ war ihm ein lausiger Augenwischer.
Die Gesundheit sah er als edelstes Gut/ hinter dem alles andre nicht wichtig/ drum bedarf die Sicherung hohen Mut/ statt Profit wäre Pflege goldrichtig.
Die Finanzhaie tobten; es nützte nichts/ sie verloren den Kampf um die Herzen/ sie scheiterten aussichtslos angesichts/ von Millionen und zehntausend Kerzen.
Als Nachruf sei dir der Dank ausgesprochen/ für den Dienst aus sozialem Gewissen/ beruhigt kann jeder Süppchen kochen/ wir werden dich Dickkopf vermissen.                                                                                                                                                                                                          2020.

 








Die Schwanenfrau von Gisela Rein. Vier fantastische Geschichten: Die Schwanenfrau, Das Kreuz am Neuen Wege, Felix der Roboter, Astras Haus. 106 Seiten, ISBN 978-3-941892-39-2.                                             11,00 €.

Leseprobe "Felix der Roboter":

"Na, was hast du Schönes erlebt?", fragte mich meine Freundin Susanne, als ich 1990 aus dem Urlaub kam. "Viel Schönes gesehen habe ich", gab ich zur Antwort. "Den Rheinfall von Schaffhausen und noch eine Menge anderer Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Ansonsten war´s der reinste Stress!" "Da war dieser Urlaub wohl mehr ein Reinfall für dich?" "Das nicht, ich habe schon dafür gesorgt, dass ich auch auf meine Kosten kam." "Also hast du wieder was geschrieben?" "Nein, dazu war keine Zeit. Mein Alter hatte den absoluten Freiheitskoller und ist mit mir überall dorthin gefahren, wo wir bis jetzt nicht mal hin zu denken wagten. Aber was Schönes geträumt habe ich immerhin. Willst du es hören?" Freilich wollte sie das, denn meine Freundin weiß, dass ich oft die tollsten Sachen träume; richtig im Schlaf und richtige Geschichten, die ich dann nur noch aufzuschreiben brauche. "Also, mir hat geträumt", so fing ich wie eine Märchentante an (und ein modernes Märchen wurde es dann auch), "wir waren bei der Schwester meines Mannes und ihrem Gatten eingeladen. Es muss sich wohl um einen  besonderen Anlass gehandelt haben, denn mein Alois war noch unterwegs, ein passendes Geschenk einzukaufen. Ich aber war schon dort und wir warteten auf ihn. Endlich kam er mit großem Gepolter die Treppe herauf und zerrte einen riesigen schwarzen Plastsack mit sich durch die Wohnungstür herein, so ein westliches Superverpackungsprodukt. Was er denn da hätte, fragte seine Schwester gleich.    "Etwas ganz Tolles!", rief er begeistert, "und dazu noch ziemlich preiswert. Ein Händler auf der Straße hat die Dinger verkauft, aus einem großen Kühlwagen heraus. Im Nu war er sie alle los. Ich habe das vorletzte erwischt, gerade noch vor Meier-Hinkelstein, diesem Protz!" "Nun, was ist es denn aber, in drei Teufels Namen?" fragte Isaura ungeduldig. "Ein Roboter! - Sieht aus wie ein Mensch und macht jede Arbeit, die man ihm aufträgt. Du kannst ihn den Garten umgraben lassen, Schwesterchen, oder das Geschirr spülen, ganz wie du willst. Na, ihr werdet ja sehen." Damit begann er, den Plastsack zu öffnen. Wir umstanden ihn alle voller Erwartung. Alois schlug die oberen eingefalteten Teile der Verpackung zurück, und zum Vorschein kam - der Kopf und die Schultern eines kräftigen Mannes von etwa vierzig Jahren. Seine Augen waren geschlossen, doch er sah nicht tot aus, sondern eher schlafend. Das überaus wohlgestaltete und sympathische Gesicht war umrahmt von dichtem, kurzgeschnittenen dunklen Haupt - und Barthaar und wie der stämmige Hals von gesunder Farbe. Die breiten Schultern  steckten in einer Art eng anliegenem dunklen Overall, wie vermutlich der ganze Körper. Wir waren alle erstaunt über die große Menschenähnlichkeit, aber nicht zu sehr. Seitdem die Westprodukte unsere Märkte überfluten, haben wir uns ja das Staunen so ziemlich abgewöhnt. "Wie ist er denn in Gang zu setzen?", fragte nun mein Schwager und suchte mit den Augen nach Hebeln oder Knöpfen, ohne jedoch dem Verpackten zu nahe zu kommen oder ihn gar zu berühren. "Man muss ihn einfach in die Sonne legen oder unter eine helle Lampe", antwortete mein Mann. "Er läuft mit Solarzellen", und er zerrte ihn unter die Küchenbeleuchtung. Ich aber konnte kaum noch an mich halten, so sehr gefiel mir dieses Mannsbild, oder was immer es war. "Och, ist der süß!", rief ich, kniete mich neben ihn, strubbelte ihm das Haar und küsste ihn auf die Nasenspitze, die sich übrigens keineswegs kalt anfühlte. "Aber Gisela!", machte mein Schwager empört, "das ist doch ein Roboter, der empfindet da nichts!" In Wirklichkeit war er eifersüchtig. Er kann mich nämlich selber sehr gut leiden, musste aber schon eine herbe Abfuhr von mir einstecken. Der geküsste Roboter indes hob die schweren Lider, reckte sich in den Schultern, blinzelte verschlafen und tat auch gleich den Mund auf. "Oh doch", brummelte er, "streicheln und Bussi geben, das mag ich schon auch", sah mich an mit freundlichem Blick, von oben bis unten, schmunzelte zufrieden und machte die Augen wieder zu... (Lesen Sie weiter im Buch.)

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Mein Wendetagebuch von Gisela Rein. Die Neuauflage der Notizen in den Wochen vor dem Mauerfall 1989, als die Hoffnung auf Veränderungen des verkrusteten Systems in der Luft lag und alle auf Freiheit hofften und nur den Anschluss bewirkte.   96 Seiten, ISBN -3-941892-37-8, 12,00 €. Nicht lieferbar, aber bestellbar. Als Lesung zu hören. Mit Erfolg 3 x in der Bibliothek in Naila/Bay. vorgetragen.
Leseprobe:
   Am 14. 9. 1989: Es dunkelte schon, als ich gestern von meinem Zirkelabend nach Hause ging, vom 'Zirkel Schreibender Anna Seghers', den ich alle vierzehn Tage mittwochs besuche. Mechanisch fand ich den Weg zum Bus, äußerlich ruhig, in Wahrheit aber zutiefst aufgestört. Herausgefordert durch die Verständnislosigkeit meiner Schriftsteller-Kollegen, habe ich denen zum ersten Mal von meinem Sohn Peter erzählt und davon, wie er ohne Schuld schikaniert, verfolgt und eingesperrt wurde, und habe mit den Worten geendet: "Da müssen wir uns doch nicht wundern, dass Tausende ausreisen, wenn junge Menschen in unserem Staat so behandelt werden!" Dann bin ich gegangen, unter einem Vorwand und lächelnd, doch die alte, nie gänzlich verheilende Wunde war wieder aufgebrochen. Die Verletzung, die ich sonst zu verbergen trachte und zu verdrängen suche, die meine Nerven zerrüttet hat, so dass ich meinen Pädagogenberuf aufgeben musste, sie blutet wieder. Und doch habe ich es eben geschafft, ohne Tränenausbruch davon zu berichten. Ob ich nun auch die Kraft finde, darüber zu schreiben? Ich hatte es meinem Jungen versprochen, ehe er das zweite Mal in den Strafvollzug musste: "Über dein Leben schreibe ich ein Buch!" - Ich will mein Versprechen halten, obgleich er mich nicht mehr daran erinnern kann.
   24. 10. 1989: Heute bekam ich eine Einladung zur Parteiversammlung der Wohngebietsgruppe. 'Endlich tut sich hier auch etwas', hab ich gedacht. Aber wir machten die Versammlung zu dritt: Harri, unser Parteisekretär, ich und der ältere Funktionär, der immer aus der Stadt zu uns kommt und fast so 'gut' reden kann wie Erich Honecker, nur dass er nach jedem halben Satz noch "undsoweiterundsofort" einflicht. Der Schriftführer sei ausgetreten, berichtete Harri, einer hat sich wegen Silberhochzeit entschuldigt, die älteste Genossin ist nicht gut zu Fuß und die restlichen paar Mann dieser Rentnertruppe fehlten unentschuldigt. Wir diskutierten offen über Fehler, die auch in unserem Erfurter Vorort gemacht wurden. Wir hatten zum Beispiel zugelassen, dass die einzige Gaststätte des Ortes vom Keller bis zum Dach auf-wendig renoviert wurde, der Saal aber dennoch gesperrt blieb. Angeblich, weil die morsche Nottreppe abgerissen werden musste und keine Firma imstande war, eine neue zu bauen. In Wahrheit wohl, um das Treffen vieler, also 'Zusammenrottungen', zu unterbinden. Auch die Tanzsäle anderer Landgaststätten waren und blieben geschlossen. - "Keine Fehlerdiskussionen!" hieß es bisher immer, und damit war alles abgeblockt worden. Jetzt wurden allerhand Probleme angesprochen, über die bisher beharrlich geschwiegen worden war, beispiels-weise die Ödnis in unseren Läden, und der Referent sagte gleich, ohne dass er danach gefragt wurde: "Aber das stimmt nicht, dass wir extra Verkaufsstellen haben, wo es alles gibt, das ist ein böses Gerücht!" - Harri lächelte sauer: "Na, du, Walter weißt davon vielleicht nichts, du bist ja auch bloß ein kleines Licht. Aber geben tut´s die schon!" Später sagte er: "Mir ist es am allerwichtigsten, dass ich als alter Genosse nicht mehr mit zwei Gesichtern rumlaufen muss." Diese Worte machten ihn mir noch sympathischer. - Auch über das NEUE FORUM wurde diskutiert, und ich habe gesagt, dass ich deren Programm klug und vernünftig finde und keineswegs staatsfeindlich. - "Aber die sind gegen den Führungs-anspruch der SED!" hat der Genosse aus der Stadt da voller Empörung gesagt und mit den dürren Knöcheln seiner rechten Hand auf sein Informationsblatt gepocht. - Ich fragte, warum es keine Amnestie für politische Gefangene gibt. Der Funktionär wusste es nicht, vertrat aber die Meinung, dass die meisten von denen wohl zu recht einsäßen. Da wusste ich, dass ich nicht länger schweigen kann und ich sprach auch vor diesen Genossen zum ersten Mal über das Schicksal meines Sohnes Peter. - Die beiden alten Kerle waren sichtbar erschüttert. Harri schwieg, der andere wusste nicht, was er sagen sollte. Schließlich stammelte er: "Harte Einzelschicksale, nicht wahr, die hat es schon immer gegeben", und beendete die Versammlung. Ehe er ging, wies er aber noch darauf hin, dass jetzt im Versammlungsraum ein neues Bild aufgehangen werden müsse.- Harri fragte mit leiser Ironie, ob es denn schon Bilder gäbe von Egon Krenz. - "Jetzt gibt es nur kleine, sprach der Funktionär allen Ernstes, aber in vierzehn Tagen wird es sicher schon große geben."
  

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In 3. Auflage erschienen und in über 250 Schulen vorgetragen und diskutiert.







Falkenflug - eine verlorene Jugend in der DDR

Rein, Gisela; Irmscher, Claus; ISBN 978-3-941892-6-9, 2. A., 3. Auflage, lieferbar, bleibt aktuell.         12,00 €.

Das Schicksal des Sohnes einer Lehrerfamilie in der DDR, der von Polizei und STASI schikaniert wurde, seine Jugend in Gefängnissen verbringen musste und sein tragischer Tod. Tatsachenroman mit Original­brief­auszügen, Stasiakten­belegen, authentisch und objektiv. Die Wahrheit über die DDR erfuhr man nur in der Haftanstalt. Im Jugendgefängnis Ichtershausen standen 3 Schilder:

"Erstens: Was du nicht weißt, das lernst du.
Zweitens: Wenn du lernen willst, helfen wir dir.
Drittens: "Wenn du nicht willst, zwingen wir dich."
Leseprobe S. 52 - 53:

"...erklärt mir doch endlich mal, was ein PE-EM-Zwölf eigentlich ist!", forderte Lisa (Gast aus der BRD). "Ich sage es dir so, wie Peter es mir erklärt hat", erwiderte Gertrud (die Autorin und Mutter). "Also, Trudi, hat er gesagt, 'wenn du deinen Ausweis verlierst, kriegst du vielleicht auch so`n Ding. Hier, schau`s dir an! Sieht ganz harmlos aus, ist es aber nicht. Es gibt viele, die ihn haben, obwohl sie ihren richtigen Ausweis nie verloren hatten. Manche von denen dürfen nicht nach Berlin, etliche ihren Bezirk nicht verlassen, andere nicht ihren Kreis oder gar ihre Stadt. Die meisten dürfen nicht ins sozialistische Ausland, so wie ich. Aber das steht ja nicht drauf auf dieser Klappkarte. Wenn ich nun irgendwohin fahren will, zum Beispiel nach Wasungen zum Karneval oder nach Weimar zum Zwiebelmarkt und im Zug werden jedesmal die Ausweise kontrolliert, dann muss jeder raus und mit auf´s Revier, der den PM 12 hat. Es muss ja nachgeprüft werden, was derjenige für Auflagen hat. Und das dauert, zwei, drei Stunden immer. Neulich wurde ich bei dieser Gelegenheit aufgefordert, in der Zeit das Revier zu fegen. Da habe ich gesagt: Ich sehe zwar, dass es hier schmutzig ist, aber ich habe den Dreck nicht gemacht, folglich mache ich ihn nicht weg.' Da musste ich an der Wand stehen, zwei Stunden lang, so, mit abgespreizten Beinen, den Kopf zwischen den Händen. Wenn ich mal aufgeschaut habe, hab ich eins drauf gekriegt. "Das ist ja entsetzlich!", schrie Lisa empört.  "Ja, genauso empfand ich das auch. Nie hätte ich geglaubt, dass in unserem Staat so etwas möglich sei. Man müsse sich beschweren, hab ich Peter gesagt, das dürfe man sich nicht gefallen lassen! Geht nicht, Trudi, meinte er lakonisch, ich musste ja unterschreiben, dass ich korrekt behandelt worden bin. Das machen sie immer so, die Bullen. Ich hab ihnen schon manches Mal die Fehler in ihren Protokollen angestrichen. Jetzt ziehe ich immer meinen guten Anzug an, wenn ich verreise, und halte mir ein "Neues Deutschland" vor die Nase. Jeans und Kutte hab ich in der Tasche. Wie lange er noch so leben muss, fragte ich ihn und er sagte: Mindestens bis das Jahr um ist. - Die Erfindung des Verderbens, hab ich gedacht. So heißt ein Buch von Jules Verne. Konnte das die Erfindung eines sozialistischen Staates sein, praktiziert am Sohn einer sozialistischen Familie? Ich hatte endlich ernsthafte Zweifel an diesem System und hoffte dennoch, dass Peter seinen richtigen Personalausweis nach diesem einen Jahr wieder bekäme... (Lesen Sie weiter im Anhang und vollständig im Buch)

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Requiem für eine Sozialistin 
Das aufopferungsvolle Leben einer Thüringischen Gewerkschafterin, die sich für die proletarische Sache eingesetzt hat, bis nichts mehr zu retten war.

 







Moselfahrt als DDR-Zeitzeugen

von Claus Irmscher/Gisela Rein. Eine Reportagereise mit Auftritten als DDR-Zeitzeugen in Schulen in Speyer, Koblenz, Traben-Trarbach und Trier, die bis zum Quellgebiet in Frankreich führte. ISBN 978-3-941892-33-0.     104 S., 40 farb. Abb. , lieferbar. Besonders für dortige Lehrer und Schüler interessant. 11,00 €.
Leseprobe: S. 23 - 26:
   Am Sonntag Vormittag setzten wir nach gutem Frühstück, nur ohne Ei, unser Fahrhäuschen auf die Autobahn und trafen gegen Mittag in Koblenz ein. Das Navi-Gerät streikte, weil es keinen Strom mehr hatte. Lud ich jedoch den Akku in drei Stunden auf, blieb die Orientierung schwarz. Wir brauchten einen Doppelstecker, den ich seitdem suchte. Wir irrten durch überfüllte Straßen, erlebten Rummel am Deutschen Eck, bis wir endlich außerhalb der Stadt im Industriegebiet andere Campingfreunde auf einem leeren Hof voller Schotter antrafen. Ein Alex aus Holland empfing uns mit dem hübschen Spruch: "U heeft de klok, wij hebben de tijd", worauf wir gut gelaunt erstmals unsere Markise ausfuhren. Beim Erkundungsgang stießen wir unversehens auf die Mosel mit Promenade und hübschen Häuschen. Unterhalb des erhöh-ten Ufers sonnten sich Leute, schipperten und paddelten im Stehen. Wir setzten uns am Willy-Brandt-Ufer auf eine Bank und fühlten uns wie im Garten Eden. Eine rosa Wolke vor blauem Himmel erschien, die aussah wie ein Vogelflügel. Als ich bemerkte, dass sie auch eine Schweinehälfte sein könnte, meinte Gisa, ich wäre furchtbar prosaisch. Vor einem Drahtzaun bellte ein Boxerhund wie verrückt ein Huhn an, das direkt dahinter stand, stur stehenblieb und sogar nach dem Kläffer picken wollte. War das Huhn also schlauer als der Hund, eine Dinosaurierin intelligenter als ein Säugetier?
   Früh um sechs am nächsten Morgen wurden wir unsanft geweckt. Ein Typ in hellblauem Hemd mit einem Reinigungsgerät, das höllischen Lärm machte, kurvte um uns herum. Erst dachten wir, er wäre nur rücksichtslos, doch nein, er rief laut und deutlich:
   "Die Autos müssen Sie wegfahren!"
   Wozu das? Wen stören wir hier, friedlich, wie wir sind? Also zogen wir uns an, packten unsere Sachen, kurbelten die Markise ein, ich setzte mich ans Steuer und wollte starten, als der Typ mit hellblauem Hemd ans Fahrzeug trat und in barschem Ton, wie der Bullenbeißer von gestern, bellte:
   "Hier ist Privatbesitz! Wenn Sie nicht wegfahren, hole ich die Polizei!"
   "Hier steht aber kein Schild. Alles ist frei und offen", wagte ich einzuwenden. Da verzog sich seine Miene, die vorher schon grimmig war, in eine teuflische Grimasse:
   "Was? Auch noch frech werden? Machen Sie, dass Sie fortkommen, sonst...!" Weiter kam er nicht, denn ich ließ den Motor an, dessen Lärm eines Diesels seine Drohungen übertönte und bewegte unser harmloses Häuschen aus dem Herrschaftsbereich aus Schotter im Gehirn, in dem ein zweibeiniger Hund Wache hielt. Ich kam mir vor wie das Huhn vor dem Boxerhund. So viel Bosheit dicht am Garten Eden? Die Wirklichkeit in Deutschland hat uns wieder. Warum das? - Privatbesitz! Wen stört es? - Privatbesitz! Kein Hinweis? - Privatbesitz! Privat! Privat! Privat! Täterätätä!
   Ich wollte wissen, wem wir diese menschenfreundliche Behandlung zu verdanken haben, marschierte zu Fuß zurück und schrieb mir das Firmenschild am Gebäude ab: "Ambulantes Rehazentrum Koblenz. Dres. von Laudenberg - Ganzheitliche Zahnmedizin. Gerd Rommert - orthopädische Privatpraxis - Medizinischer Sachverständiger".
   Eins kann ich diesen Herrschaften versprechen: Eher lass ich mir einen vereiterten Zahn mit der Kneifzange vom Klempner ausreißen, als die Dienste dieser Herren in Anspruch zu nehmen, und zwar ganzheitlich! - Was aus den Holländern geworden ist? Ihr Wohnmobil fuhr eine Stunde später an uns vorbei. Sie hatten sich mit der Abreise Zeit gelassen. Waren sie die Umgangsformen ihrer deutschen Nachbarn gewohnt? Bestimmt dachten sie aber, dass die deutsche Überheblichkeit wuchert wie eh und je.
   Die rosa Wolke von gestern war bestimmt kein Vogelflügel, sondern doch eine Schweinehälfte. Blauem Himmel, der aussieht wie ein Herrenoberhemd, begegne ich seitdem mit Misstrauen.

  







BodenseeRundfahrt oder: Kunstreise zu Peter Lenk - dem tollsten Hecht am See & zu Autoren und Malern.

Literarische Reportage mit 40 Zeichn. v. C. Irmscher, ISBN 978-3-941892-29-3,  29.06.2016, lieferbar, 12.00 €.

Aus dem Vorwort: "Für mich war Heimat zu beiden Seiten des Oberrheins, ob das Land nun Schweiz, Baden oder Württemberg hieß. Im nördlichsten Schwarzwald geboren (Calw an der Nagold), kam ich schon als Kind nach Basel, neunjährig wieder in die erste Heimat zurück" ..."dass ich, bei immer zärtlicher Heimatliebe, nie ein großer Patriot und Nationalist sein konnte. Ich lernte, die Grenzen zwischen Deutschland und der Schweiz nicht als etwas Natürliches kennen..., sondern als etwas Willkürliches, wodurch ich brüderliche Gebiete getrennt sah. (Hermann Hesse).
Leseprobe aus "BodenseeRundfahrt S. 59-60:
   Dort (in Meersburg) ragt eine magische Säule auf, an der skurrile Gestalten angebracht sind. Der Amor des Fürstbischofs aus dem 13. Jahrhundert zeigt seinen Hintern, Freiherr Joseph von Laßberg reitet auf einem Steckenpferd als Don Quichotte, in einem Käfig hocken die "Wissenschaftler" Hell, von Störck und Ingenhousz, während darüber der Scharlatan Franz Anton Mesmer mit einem großen Magneten in ausgestreckten Händen triumphiert, eine Wendelgart aus der Haltnau-Sage ist dargestellt wie auch der Exorzist Joseph Gassner, der am Fuße der Säule Teufel austreibt und der Fürstbischof Franz Konrad von Rodt mit erhobenem Blick ein Schauspiel seiner vorgetäuschten Gläubigkeit bietet. Ganz oben schwebt wie eine freie Möwe Annette von Droste-Hülshoff. Der Schöpfer all dieser originellen Werke heißt Peter Lenk. Er wird uns noch mehrfach auf unserer Reise begegnen. Lustig fand ich eine Muslima, die in schwarzer Kutte und Kopfumhüllung mit moderner Technik in der Hand umherwandelte und mehrere Fotoaufnahmen machte, wahrscheinlich, um sie ihrer Sippschaft zu zeigen, verbunden mit der Botschaft, wie verderbt die ganze westliche Welt sein müsse, wenn "so etwas" öffentlich dargestellt wird. Du heiliger Schock! Ich konnte mir nicht verkneifen, sie mit Evas Apfel der Versuchung aus der christlichen Mythologie darzustellen, nicht ohne ihr einen kleinen Teufel auf den Hals zu hetzen, der ihre sündigen Gedanken gehörig durcheinander wirbeln würde, (die sie sich nicht eingestehen will).

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Spitzels Tochter - ein Leben ohne Hoffnung

12,00 €

Rein, Gisela, ISBN 978-3-941892-31-6, 1. A., 4. 1. 2018, Lieferbar.

   Dieses Buch beschreibt das kurze Leben eines Kindes, das in der DDR zu Zeiten der Honecker-Ära als Tochter eines Stasi-Spitzels und der Ältesten einer Lehrerfamilie, die von der Tätigkeit ihres Ehemannes nichts ahnte, geboren wurde. Während die junge Frau an ihr Eheglück glaubt, ihr Kind empfängt und zur Welt bringt, schreibt ihr Mann Berichte über das 'frohe Jugendleben' einer Gruppe lang­haariger Oppositioneller, der er selber angehört, vorrangig über den Bruder seiner Frau, der auf Grund seiner Intelligenz und positiven Ausstrahlung der Wortführer dieser losen Gruppe ist. Wer das Buch 'Falkenflug - eine verlorene Jugend in der DDR' gelesen hat, kennt diesen 'Barry', dessen Mutter die Autorin war, ahnungslos wie er und seine Freunde und Geschwister. Nach seinem Tod und dem Ende der DDR fand die Autorin die Berichte ihres Ex-Schwiegersohns in den sechshundert Seiten STASI-Akten, die über ihren Sohn angelegt waren. Das Mädchen war hineingeboren worden in diesen Sumpf von Lüge und Verrat und hatte den Charakter ihres Vaters geerbt, den weder die liebevolle, aber antiautoritäre Erziehung der Mutter noch später die konsequentere der Großmutter wirklich bessern konnte. Sie geriet auf die schiefe Bahn und setzte ihrem verpfuschten Leben selbst ein Ende.

"...mir ist noch ganz übel von der Atmosphäre, die Sie im ersten Teil wiedergeben. Allein die psychische Leistung, diese Seiten zu schreiben, ist beeindruckend", schrieb der Dichter Reiner Kunze über die Autorin.

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Sieben Stationen Südtirol

12,00 €

Literaturreportage mit Zeichnungen und Gedichten, Irmscher, Claus, 978-3-941892-26-2, 1. A.,16.06.2015, Lieferbar

...Dafür ließ sich Cäcilie, genannt Cilli, vor ihrem Kleinsthof, auf ein Gespräch ein. Ich widme ihr folgendes Gedicht:
Ein Leben in Kofel
Wie bist du, Cäcilie, alt geworden/in fast zweitausend Metern Höhe?/ Hast du ein besonderes Gen?/ Dir sind die Häuser im Tal/Kinderspielzeug und die Flieger/ducken sich unter dir weg./­Rinder haben Stallarrest-/tierische Lebensgefahr!-/auf der Schlitten­bahnweide!/Nur ganz Furchtlose trotzen/dem Abgrund sehenden Auges,/alles Gras handgemäht,/die Milch handgemolken./Dein Gärtchen am Misthaufen/liefert beste Tomaten./Du gingst noch in Gottes/ureigenes Pfarrhaus/in die Wolkenschule, dein Mann/fuhr Serpentinen im Schneesturm/an die Arbeit. Nun fährt/die Milch deiner fünf Kühe Lift./Dein gebräuntes Gesicht/verdankst du keinem Studio/und dein Glück,du/genügsames Wolkenwesen,/sind Geranien im Hof.

   (Inzwischen gestaltete ich von ihr ein Aquarell, das sie in ihrem Kleinsthof über den Wolken und dem Tal, verbunden durch eine Seilbahn, zeigt. Sie finden es in der Rubrik "Gemälde". Es ist käuflich zu erwerben.)

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Ritter Harro 1

10,00 €

Fantastischer Mittelalterroman, Donnersberg, Regine, (Pseudonym) 978-3-941892-23-1, 21.12.2015, Lieferbar

Die Autorin will Neugierige in eine Ritterwelt entführen, die ihrer heimatlichen Region ähnelt. Sie erfindet in ihrer Phantasie einen tugendhaften jungen Hünen, der sich, im Gegensatz zum wüsten Treiben seines Erzeugers, vor­genommen hat, sein kleines Land gerecht und zum Wohle aller zu regieren. Es geht auf seiner Burg, die ihm gar nicht gehört, und seiner Umgebung nicht ohne Gewalt zu, Entführung und Vergewaltigung inbegriffen. Doch Gerechtigkeit und Mut trotzen allen Schwierigkeiten...

Leseprobe: Des Ritters erste Liebe
In einer kleinen aufblühenden Handelsstadt am Fuße eines deutschen Mittelgebirges, nennen wir sie Halbersburg, saß an einem schönen Spätsommerabend der Weinhändler Tim Gundermann behaglich in der großen Stube seines Hauses und erzählte von den Abenteuern, die er auf seinen Handelsfahrten erlebt hatte. Seine Frau Gertrudis, eine stattliche Mittdreißigerin mit dunklem, glattgescheitelt aufgesteckten Haar und angenehmen Gesichtszügen, saß mit einer Näharbeit am Fenster, durch das die Sonne ihre letzten schrägen Strahlen schickte und schmunzelte stillvergnügt. Sie kannte diese Geschichten alle, aber so spannend wie heute hatte ihr Ehegemahl sie noch nie erzählt. Auch die Kinder waren noch auf und lauschten, die zwölfjährige Anna, die der Mutter glich, und der blonde Wisso, ein spärlich gewachsener  Vierzehnjähriger. Doch auch für diese zwei schilderte der Vater seine Erlebnisse nicht so lebendig, sondern für den Gast des Hauses, Frau Sybille Goldmännin, die Base seiner Frau aus deren Heimatstadt. Die war aber auch ein Frauchen, für das sich nicht nur der Vetter Tim begeisterte, sondern alle Männer, denen sie begegnete. Jung war sie noch, erst Mitte zwanzig, und zierlich gewachsen, doch mit hübschen Rundungen an den richtigen Stellen, in ihrem süßen Gesicht unter reichem, goldroten Haargelock leuchteten ein Paar strahlend grüne Augen, in denen des Erzählers Blick immer wieder versank.
   Auch ihr missfiel der Vetter Gundermann nicht eben, war er doch für seine fünfundvierzig Lenze noch ein stattlicher Mann. Kein Riese zwar, doch von kräftiger Statur, mit vollem, noch kaum ergrauten Haupt- und Barthaar. Ein ansehnlicherer Kerl jedenfalls als ihr alter, glatzköpfiger und dickbäuchiger Eheherr, dem ihre Eltern sie seines Reichtums wegen gegeben hatten und auf den sie hier warten musste, bis seine Geschäfte getan waren. Mehr noch als der Hausherr gefielen der jungen Frau seine Geschichten, die zumeist von gefährlichen Begegnungen mit wüsten Raubrittern handelten, aus denen der Weinhändler immer noch gerade so mit Mühe und Not davongekommen zu sein schien.
   "Einen Ritter aber kenne ich", sprach nun der brave Tim, " der ist kein so übler Kerl wie die anderen, und mit diesem habe ich meinen privaten Frieden geschlossen. Es ist der Ritter vom Hohen Fels, genannt 'Harro von der flachen Klinge'.
   "Das klingt seltsam", meinte Sybille, "warum nennt man ihn so?"
   "Weil er gewöhnlich eher mit der flachen Klinge zuschlägt als mit des Schwertes Schärfe.                    
   "Aber ein Raubritter ist er wohl dennoch?"
   "Ja, das ist nicht zu bestreiten. Auch er hockt auf seiner Burg wie der Geier auf seinem Horst und wenn ein Handelsmann des Weges kommt, so hält er ihn auf mit seinen Gesellen und fordert Tribut gleich allen. Allerdings ist er dabei nicht gar so unverschämt, denn er führt mit seinen Männern ein einfaches Leben. Auf seiner Burg wird nicht geschlemmt und geprasst und er lebt auch mit seinen Bauern in Eintracht, so dass es ihm an Nahrung nicht mangelt. Deshalb fordert er von den durchreisenden Kaufleuten nur das, was er und seine Leute unmittelbar brauchen, als da sind Kleidungsstücke und Schuhwerk, Talglichte, Gewürze und dergleichen. Von mir will er natürlich Wein, doch verlangt er davon nie mehr als zwei Fass und die gebe ich ihm gern. Denn dafür erweist er mir Schutzgeleit durchs Gebirge, und das ist was wert. Wenn nämlich Ritter Harros Mannen mit meinen Wagenknechten reiten, so wagt es kein anderer Ritter, uns anzugreifen, zumal wenn er selber dabei ist."
   "So ist er wohl ein gewaltig starker und furchterregender Herr?", fragte die Base.
   "Gewiss", sprach der Hausherr, "er ist ein wahrer Hüne! So groß ist er -" Tim stand kurz vom Stuhl auf und zeigte drei Handbreit über sich, "und dazu hat er sooo ein Kreuz!"
   Frau Getrud lächelte belustigt, denn wenn die Maße stimmten, die ihr Eheherr anzeigte, würde dieser Ritter wohl kaum durch die Tür passen.
   Und dazu hat er eine Glatze und einen dicken Bierbauch", vermutete Frau Sybille skeptisch.
   "Eine Glatze? Nein, ganz im Gegegnteil, eine wahre Löwenmähne umwallt seinen Schädel, dunkelblond und dicht. Ein etwas dunklerer
Bart hängt ihm bis auf die Brust, Bauch aber hat er gar keinen".
   Dann fällt ihm ja das Essen wieder heraus!", bemerkte das Töchterlein fürwitzig, wofür ihm sein Bruder einen Katzenkopf verpasste. Denn der schwärmte für den Ritter Harro, weshalb ihn jegliche Unterbrechung an des Vaters Geschichte störte.

(Lesen Sie weiter im Buch).*







Ritter Harro 2

Ritter Harro lernt den rechtmäßigen Herrn seines kleinen Reiches kennen, besiegt seinen ärgsten Feind, holt sich einen Kuckuck ins Nest, der mit Falschheit Zwietracht stiftet, den Burgfrieden gefährdet, was schlimmer ist als der Teufel Alkohol, da er die Burgfrau zu verführen trachtet. Doch trotz aller Widrigkeiten ...   Donnersberg, Regine, ISBN 978-3-941892-27-9, Lieferbar, 10,00 €, beide zusammen 15,00 €.

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Polenfahrt

Eine Zeitreise durch Schlesien nach Krakau mit 100 Illustrationen, Irmscher, Claus, 978-3-941892-25-5, 1. A., 06.02.2015, Lieferbar

Geschichte wird von großen Persönlichkeiten gemacht, sagen die einen. Geschichte wird von Völkern geschrieben, behaupten die anderen. Was stimmt? Polen war zu lange willenlose Masse unter mächtigen Nachbarn. Eine Korrektur war überfällig, zum Leidwesen von Generationen eingewanderter Deutscher, denen ihr Gewalt­herrscher aus der alten Heimat in den Rücken fiel, als er das Auswanderungs­land mit Krieg überzog und sie nach der Nieder­lage dem Zorn der Mehrheits­gesellschaft auslieferte. Unschuldige haben für die Gelüste ihrer Herrscher zu büßen, lautet ein überholtes Gesetz der Geschichte. Sie sind nicht schuldlos. Sie hatten versäumt, ihnen frühzeitig in den Arm zu fallen. Leicht gesagt, aber schwer zu machen. Die wenigen, die es wagten, konnten es nicht schaffen.                                        17,50 €.  Leseprobe 1 Seite 24 - 27:

Jelenia Gora/Hirschberg. Die Richtung nach Süden führte über den Flecken Plawna zur Figurenausstellung "Zamek Slaskich Legend". Man hat dort lebensgroße Figuren aus dem Mittelalter und der Märchenwelt gebastelt, die Heilige Hedwig, den Reiter ohne Kopf, einen Ritter mit Prinzessin und Mond und vieles andere. Ein umtriebiger Mitarbeiter schlüpfte schnell mal in ein Auerochsenkostüm oder ließ als Scharfrichter Gila im Prangerbock eine Minute "schmoren". Der eigentliche Wert bestand aus meiner Sicht in phantasievollen Bildern des Malers Dariusz Milinski. Mit Können und viel Humor zeigt er Leute, die Flugübungen von einem Hügel mit völlig untauglichen selbstgebastelten Flügeln versuchen oder er malt andere, die einen Viertelmond "untersuchen", der auf die Erde gefallen ist. Es ist Surrealismus im Dienste humanistischen Anliegens. Köstlich!

Leseprobe 2, Seite 160 - 161:

1877 wurde der jiddisch-polnische Poet und Komponist Mordechaj Gebirtig geboren, der alte Möbel im Stadtteil Kazimierz reparierte und nachts jiddische Lieder produzierte. Vom schlichten Kinderlied zu baccantischen Trinkliedern bis hin zum fordernden Arbeiterlied wie dem 'Arbetlosemarsch' reichte die Spannweite des Autodidakten, der in Jiddisch schrieb. Er verewigte das Leben der kleinen Leute. Seine Lieder begleiten den Untergang seiner Welt wie 1938 "Unzer shtetl brent", in dem er zum Widerstand aufruft. Viele Gruppen nahmen seine Text-Kompositionen in ihr Repertoire auf. Die Liebe zu den Menschen war sein Antrieb. Als er 1942 im Krakauer Ghetto auf offener Straße von einem deutschen Besatzer wie ein tollwütiger Hund abgeknallt wurde, triumphierte das Unrecht, doch die Verhältnisse kehrten sich um. Der Mörder, der den Juden verachtete, pervertierte zum blutrünstigen Tier und der tote Poet im Staub auf dem Pflaster erhob sich für ewig ins Licht, das uns im Herzen berührt. Von der Kreatur erlosch sogar der schändliche Name. Mordechaj Gebirtig, der eigentlich Mordche Bertig hieß, leuchtet aus dem Dunkel jener finsteren Zeit. Seine Gedenktafel befindet sich in der Ul. Berka Joselewicza Nr. 5.

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Panoptikum der Worte

15,00 €

 365 Limericks - Gedichte zum Zeitgeschehen mit Karikaturen, Irmscher, Claus, 978-3-941892-19-4, 1. A., 02.01.2014, Lieferbar

Nr. 5: In Pößnecks Finanzamte wohnen/an den Wänden lauter Zitronen./Man kann sie nicht essen,/sie dienen zum Pressen/der erscheinenden Steuerpersonen.

Nr. 51: Es irrt eine Putze vom Tugendpfad,/überfiel ihre Bank mit´m Spielkamerad./Macht sie sonst den Boden reine,/er - wischt sie nun dreitausend Scheine,/­säubert mit höchstem Wirkungsgrad.

Nr. 65: Politiker, die nicht mehr viel taugen,/lässt am Euter der Wirtschaft man saugen./Ob geschrödert oder altgehaust,/­­gemappust oder sonst gelaust,/Fett schwimmt auf der Brühe in Augen.

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Nr. 81: Es steht eine Schule im Niemandsland,/meistbietend zu kaufen, aus zweiter Hand./Ihr brachte die Lage in Ziegenrück/kein dauerhaftes Bildungsglück./Die Behörde fuhr sie gegen die Wand.

Nr. 118: Althaus vom Eichsfeld bot Billigoblaten,/weil ihm das ein Vogel vom Westen geraten./Was dem Volk er verwehrt,/hat den Brotkorb geleert./Der falsche Christ gönnt sich doppelten Braten.

Nr. 139: In Thüringen werden die Lehrer knapp/  Wo wachsen welche? Was bringt sie auf Trab?/Ein Fuchs hält die Kasse geschlossen./In Rente gehn alte Genossen./ Sie lächeln erschöpft und grüßen "Glück ab!".








Die Sommerlinde auf Burg Scharfenstein

Ein alter Baum erzählt sein Leben, Irmscher, Claus, 978-3-941892-24-8, 1. A., 01.10.2014, lieferbar, 6,00 €.

Darf ich mich vorstellen? Im nordwestlichen Teil Thüringens, dem Eichsfeld, auf einem Sporn des Höhenzuges Dün, zwischen Leinefelde und Heiligenstadt gelegen, neben der Burg Scharfenstein aus dem 12. Jahrhundert, 488 m hoch, bin ich verwurzelt. Mich hat man um 1450 nördlich vom Eingang der Vorburg gepflanzt, um Schatten für den Anger zu spenden. Seitdem bin ich fleißig gewachsen und hatte das Glück, dass kein Befugter und Unbefugter Hand an mich gelegt hat. Wie alt ich jetzt bin, kann jeder selber ausrechnen, wann er sich für mich interessiert. Fünf Jahrhunderte habe ich jedenfalls in der Rinde und die ist inzwischen rissig geworden...

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Eine Reise durch Burgund                                 12,00 €

Irmscher, Claus; 978-3-941892-16-3, 1. A., 12.03.2013, 

Aus dem Vorwort: Der Entschluss, gerade dieses Departement Frankreichs mit meiner Gefährtin zu erkunden, beruhte ursprünglich auf einer Vorstellung in ferner Jugend, die mich glauben ließ, es müsste die Region Burgund jenes sagen­umwobene Reich sein, von dem im Nibelungenlied eindrucksvoll die Rede ist. Die Region Bourgogne und das Burgundenreich sind jedoch zwei grundverschiedene Begriffe, das erste real und mit den fünf Sinnen erfassbar, das zweite das mythische Gebilde einer aus Sagenstoffen genial gefügten Vers-Erzählung von nationalem Rang eines unbekannten Dichters aus dem 13. Jahrhundert am Bischofssitz in Passau, der die alten Stoffe in eine geschlossene Verserzählung fasste:  

  "Es wuochs in Burgonden  ein vil edel magedin,/daz in allen landen  nihts schoeners mohte sind/Kriemhilt geheizen  si wart ein scoene wip..." 

Leseprobe:                                                                                                                                                                                                                Alesia war erreicht, genauer: Alise-Ste-Reine, der Ort, an dem ein römischer Wahlkampf entschieden wurde. Nicht das Schicksal Galliens? Nein, nur die Tragödie eines Mannes namens Vercingétorix, dem das gleiche passierte wie anderen Volkshelden in der Geschichte, wie Spartacus in Italien, wie Thomas Müntzer in Frankenhausen. Sie waren keine Militärs und sie ließen sich mit ihren Anhängern auf einer Anhöhe umzingeln, von der es kein Entrinnen gab. Aber hat nicht ein zivilisatorisch hochstehender Römer namens Cäsar ein barbarisches Volk von blonden besessenen Riesen befreit, die das auf Raubzügen erbeutete Gold zählten und sich durch blutige Menschenopfer Götzenfiguren gefügig gemacht haben? So steht es zumindest in den Commentarii, bekannter als "De bello Gallico", als Gallischer Krieg, dessen Latein ganze Generationen von Schülern mühsam entziffern mussten. Es gilt aber, wie immer in der menschlichen Gesellschaft, der Satz: 'Der Sieger schreibt die Geschichte'. Der schreibbegabte Feldherr, der mit Crassus und Pompejus im ersten Triumvirat den römischen Staat mitregierte, wollte die alleinige Macht. Als er 58 v. Chr. als Konsul die Statthalterschaft auch über Gallia Narbonensis, die heutige Provence, erhielt, die bereits seit 120 v. Chr. römisch war, nutzte er die Gelegenheit, sich durch die Eroberung des restlichen Gallien Ruhm an die Brust zu heften, die einzige Voraussetzung, um vom Senat in Rom akzeptiert zu werden. Dazu bediente er sich der trainierten Divisionen in den ruhigen keltischen Städten sowie der Häduer-Burgunder und zog mit ihnen nach Norden, immer das große Ziel vor Augen, Erster in Rom zu werden. Dass er schließlich triumphierte, lag an Fehlern der Verteidiger, die im Begriff waren, sich zu einer Nation zu entwickeln, doch keine einheitliche Strategie zustande brachten. Sie waren im Grunde Landwirte und Händler, die ihre Weinberge pflegten und lieber das Fass, den Mähdrescher, die Wurst und den Käse erfanden, als sich die Macht um jeden Preis zu sichern. Der Aristokrat und Demagoge, der alle verachtete, das Volk ebenso wie seine eigene Klasse, ließ den Verteidiger seiner Heimat Vercingétorix nach Rom verschleppen, verhöhnen und schließlich erdrosseln. Nicht besser erging es unter Cäsars Regiment der römischen Republik, bis der Diktator den Lohn seiner Menschenverachtung bekam. Er wurde selbst ermordet, nach heutigem Empfinden geschah es ihm recht. In einem großen Rundbau in naturgemäßer Verkleidung findet man das damalige Geschehen gestaltet.

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Durch die dänische Südsee

12,00 €

Zu Besuch bei Hans Christian Andersen und Bertolt Brecht, Irmscher, Claus, 978-3-941892-14-9,  1. A.,19.04.2013, lieferbar

Vorwort: Reisen bildet, zuerst diejenigen, die sie unternehmen. Die gutbürgerliche Tugend, sich in der Welt umzutun, hatte schon Vorläufer im Mittelater wie Walther von der Vogelweide. Einen Namen machte sich Johann Gottfried Seume, der einen "Spaziergang nach Syrakus" unternahm. Goethe fuhr komfortabler mit der Postkutsche. Mark Twain reiste schon modern mit Dampf. Immerhin hatte jeder dieser Herren etwas Geistreiches mitzuteilen. Im Zeitalter des Tourismus wird es nachgerade zur Mode, sich mit dem Flugzeug, dem Kreuzfahrtschiff oder dem Komfort-Wohnmobil zu fernsten Orten schaukeln zu lassen, um bei nächster Gelegenheit lauthals bekräftigen zu können: "Kenn ich doch! War ich auch schon!"

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Wie können sich Autoren, die etwas auf sich halten, von der Massenhysterie absetzen? Sie dürfen genau diese Unarten nicht praktizieren. Auf ein zwanzig Jahre altes Minimobil sind sie aber auch angewiesen, um nicht auf der Straße schlafen zu müssen. Sie meiden Hotels wie die Pest und Campingplätze wie ihren letzten Schnupfen, tauchen in fremde Welten, versuchen in ihnen aufzugehen wie Milch in der Kaffeetasse, schwärmerisch bis kritisch, beschreiben, recherchieren und skizzieren. Wenn dann etwas Originelles, Einmaliges entsteht, erfüllen sich vielleicht ihre Erwartungen: Zeitzeugen zu sein und Botschafter der Verständigung.







Abenteuer Erfurt

Zwischen Lebenskampf und Glückssuche nach der friedlichen Revolution, Irmscher, Claus; Rein, Gisela, 978-3-941892-12-5,  1. A., 19.04.2013, 560 Seiten, lieferbar, 17,50 €.

Der altgriechische Dichter Homer ließ Odysseus die gefährlichsten Abenteuer erleben. Ein Liebespaar in der Blüte der Jahre stand nach der Friedlichen Revolution 1989/90 in Thüringens Landeshauptstadt vor ähnlichen Gefahren wie der antike Seefahrer, nicht auf hoher See, sondern durch die Untiefen der Wirtschaft und die Umbrüche der Gesellschaft hindurch. Arbeitslosigkeit nach dem Zusammenbruch von Kombinaten, mehrfache Versuche der Selbständigkeit trotz Hilfen des Arbeitsamtes scheiterten, überall stießen sie auf vorher abgeräumte Märkte oder auf Betrug, falsche Versprechungen, Lügen oder faule Tricks. Wer sich dafür interessiert, wie die Umstellung der Wirtschaft im Osten Deutschlands ganz konkret abgelaufen ist, findet im 560 Seiten dicken Abenteuerbuch abwechslungsreiche Unterhaltung, Persönliches nicht ausgespart.

Ein Sohn hat von der Mutter sich getrennt,/ weil sie beschrieb, was sie am besten kennt./Von dem, was freundlich sie erhellt,/fühlt er sich übel bloßgestellt./Die Liebe stirbt, wenn Mutter offen Liebe nennt.

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Hundert alte Lieder

 5,00 €

Alte Liedertexte, die es wert sind, bewahrt zu werden, Rein, Gisela, Hg., 978-3-941892-06-4,  1. A., 01.06.2012, lieferbar

Viele alte Lieder habe ich im Kopf, kann aber leider nicht (mehr) singen. Lieder, die meine Mutter bei ihrer Näharbeit sang, während sie auf meinen Vater wartete, der aus dem zweiten Weltkrieg nicht wiederkam. Ich habe sie aus verschiedenen Quellen zusammen­getragen. Es sind über hundert geworden. Mögen sie auch Ihnen Freude bereiten. Freuen Sie sich vor allem auf die weiteren Strophen, die man nach der ersten meist vergessen hat oder geht Ihnen das nicht so?

Als Titelbild dient ein Scherenschnitt zu dem Lied "In einem kühlen Grunde, da geht ein Mühlenrad" von L. Gützlaff.

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Die Vögel im Rauch

3 Kindergeschichten, Irmscher, Claus; 978-3-941892-07-1,  1. A., 01.02.2012, lieferbar, 12,00 €

Es sind 3 Kindergeschichten, die der Gegenwartsautor verfasst hat und die zum Nachdenken und zur Besinnung aufrufen wollen.

Was würde geschehen, wenn die Industrie so viele Abgase in die Luft bliese, dass die Vögel vom Himmel fallen? In dieser Geschichte von den "Vögeln im Rauch" geschieht die Katastrophe, was ungeahnte Folgen nach sich zieht.

Eine vergessene Lokomotive führt zum Streit zwischen Stadtkindern und jungen Feriengästen. Soll man darauf spielen dürfen oder muss sie zum alten Eisen in den Hochofen?

Ein Vierzehnjähriger, von einer unheilbaren Krankheit an den Rollstuhl gefesselt, hat ebensolche Wünsche wie ein gesunder Jugendlicher, doch seine Träume müssen an harter Wirklichkeit zerbrechen.

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Hinter dem Horizont

15,00 €

Rein, Gisela; 978-3-941892-08-8,   1. A., 01.03.2012, 15,00 €, vergriffen, z. Z. nicht lieferbar.

23 Geschichten im Zeitraum von 1989 bis 2011 sind in diesem Bändchen versammelt, von einer Blumen­geschichte, die der Verlag für die Frau annahm, bis zu einer Zukunftsvision 'Astras Haus'. Dazwischen berichtet sie mit dem 'Krückstock im Benzintank' von einer unfreiwilligen Reise durch die primitive Sowjetunion und amüsiert sich über 'Verbotene Engel'. 'Hinter dem Horizont geht´s weiter' ist die Kurzfassung ihres großen Themas des Verlustes ihres Sohnes, das sie gesondert im Tatsachenroman 'Falkenflug-eine verlorene Jugend in der DDR' behandelt.

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Mit 'Die Schwiegermutter ' und 'Die Schachtel' beweist sie, dass ihr prägnante Kurzgeschichten gelingen. In 'Mein Wendetagebuch' wiederum bereitet sie die Ereignisse vor der friedlichen Revolution auf. Mit der 'Schwanenfrau' begibt sie sich ins Märchenland für Erwachsene. 'Das Kreuz am Neuen Wege' behandelt eine Nordhäuser Sage, die mörderisch ausfällt, um schließlich ihrer Fantasie mit 'Felix, der Roboter' freien Lauf zu lassen.








Lyrische Trilogie

7,00 €

Den Opfern der Vertreibung, Irmscher, Claus, 978-3-941892-00-2,  1. A. , 06.2009, bestellbar.

Ein schmales Heft, in dem 3 Gedichte versammelt sind, die den Opfern der Vertreibung gewidmet sind: Es enthält die Gedichte "Auf der Brücke von Aussig", das an das Pogrom der Tschechen erinnert, die "Elegie auf Martha S." über das Schicksal einer Sudetendeutschen und "Bettgeflüster", das im Sammelband 'Gedichte aus 6 Jahrzehnten' den Titel "Gespräch auf dem Nachtlager" erhielt. Das Heft, das die Auszeichnung mit dem Kunstpreis des BDV für Literatur 2009 erhielt, ist nur auf Bestellung in Mindeststückzahl von 10 Expl. lieferbar, die in Handarbeit hergestellt werden.

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Vom Regen in die Traufe - wie Schraps in die Marktwirtschaft stolpert

Irmscher, Claus, ISBN 978-3-9808325-2-6, 1. A., 158 S.,1. 5. 2003, lieferbar,                                           15,00 €.

Dieses Werk ist ein realsatirisches Poem, gröstenteils in Knittelversen, das die schlimmsten Sünden des deutschen Sozialismus aufspießt und doch in der neuen Freiheit keine menschenwürdige Perspektive sieht. Es ist "Der Werdegang eines braven Bürgers aus dem wohlbehüteten Unbehagen des sozialen Experiments DDR durch den Wirbel der Wende in die große Freiheit der sozialen Marktwirtschaft, die sich als wohl gesicherte Kälte erweist", wird auf dem Rückumschlag formuliert. "der ...Ansatzpunkt von Irmschers Spott: Absuditäten im Hinterhof der 'blühenden Landschaften', die 'Abwicklung' nicht von Aufgaben, sondern von ehemals hoffnungs-vollen Strukturen. Arbeitslosigkeit, die tägliche Kleinkriminalität, Abzockerei und einstürzende Traumgebäude von selbständiger Existenz...Irmscher spottet nicht verbissen, aber mit Biß, sein freches Maul formt muntere Blüten, wie zum DDR-Kunststoff 'Malimo...in dieser Textilie hält sich kein Floh'", urteilt der Europa-Beauftragte des FDA, Dr. Detlef Gojowy, Dresden/Unkel (Bonn).

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Meine Stimme, das Pfeifen der Maus

5,00 €

... Gedichte, Auswahl 1963 - 1986, Irmscher, Claus, 978-3-9808325-4-0, 2. A., 01.03.2004, lieferbar, enthalten in: "Gedichte aus 6 Jahrzehnten".

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Lied vom Ackersmann

5,00 €

Gedichte 2005 - 2007, Irmscher, Claus; 978-3-9810125-9-0,  1. A., 01.03.2009, lieferbar, Enthalten in: "Gedichte aus 6 Jahrzehnten."

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Gulaschkanonen-AG

5,00 €

Gedichte 1991 - 2007, Irmscher, Claus; 978-3-9810125-8-3,   1. A., 04.2009, lieferbar, Enthalten in: "Gedichte aus 6 Jahrzehnten."

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Herr Pauli redet lieber mit Tieren

12,00 €.

Perlick, Thomas; 978-3-9810125-4-5,    1. A., 01.04.2006, lieferbar.

Das Kinderbuch des evang. Pfarrers aus der Rhön im ungewohnten Format A 4 mit 100 Seiten ist ebenso phantasiereich wie spannend als ein Krimi aufgebaut. Der Autor lässt das seltsame Bündnis eines Aussteigers mit sämtlichen Tieren des Waldes lautmalerisch anklingen, bis sich durch die Flucht des Krokodils aus einer Farm, das in die Mensch-Tier-Gemeinschaft aufgenommen werden will, eine Verwicklung mit dem Besitzer entwickelt, die zur Konfrontation führt und am Ende zum gespenstischen Schluss.

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Der steinerne Mann /Johanna und der Junker.


Zwei Märchen für große Kinder und Erwachsene. Rein, Gisela; 978-3-9808325-1-9, 1.03.2004, lieferbar, 10,00 €.

Zwei Kunstmärchen in einer Wendebroschur, eins für den Sommer von vorn zu lesen, eines für den Winter von hinten. In "Der steinerne Mann" geht es um das Denkmal eines Neptun, in das sich ein Mädchen verliebt und dem ein tiefes Geheimnis innewohnt. In der zweiten Geschichte "Johanna und der Junker" verliebt sich ein Mädchen in einen strammen Kerl und verkleidet sich als Knecht, um ihn zu erobern.

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Streifzüge durch Süd-Ungarn


Reisereportage durch die Baranya im Jahre 2001, Irmscher, Claus; Rein, Gisela; 978-3-9808325-0-2,   1. A.,         408 Seiten, Kapitalband, 01.07.2002, lieferbar, 15,00 €.

Ein schönes 'Reisebuch' mit fröhlich blauem Hardcover-Umschlag in leserfreundlichem Drucksatz scheint dies zu sein. Kein fernes unbekanntes Land, sondern gleich hinter Österreich vor der Haus­tür: Ungarn. Die Autoren haben sich genügend Zeit genommen, haben fotografiert, gezeichnet, Gespräche in alt­schwäbischem Deutsch geführt. Ähnlich hat Johann Gottfried Seume seinen "Spaziergang nach Syrakus" angelegt.
   Doch das Vergnügen weicht einer Betroffenheit, weil Geschichts­bücher lügen. Es geht um den Leidensweg der Volksgruppe der Donauschwaben, die nach 1945 ohne eigene Schuld bestraft wurden durch "Verschleppung, Vertreibung, Enteignung und Entrechtung" für ihre deutsche Volkszugehörigkeit trotz ungarischer Staats-bürgerschaft. Sie wurden zu Geißeln des ungarischen Faschismus, sanktioniert mit dem Plazet der westlichen Siegermächte im Potsdamer Abkommen. Junge Frauen wurden 'für 14 Tage zum Arbeitseinsatz nach Russland" abkommandiert, woraus über 3 Jahre im Bergbau in Rostow am Don wurden, 4 Wochen Transport in ungeheizten Güterwaggons eingeschlossen, den viele schon nicht überlebten. Als Überlebende zurückkehrten, war ihr Haus und Eigentum konfisziert... 10 dieser Interviews wurden mit Tonband aufgezeichnet.
Aus der Rezension von Dr. Detlef Gojowy, Unkel/Bonn, Vizepräsident und Europabeauftragter des FDA.

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Meine Ziegenrücker Geschichten 1 und 2

je 10,00 €, zusammen 15,00 €.

Rein, Gisela, 978-3-941892-30-9,  1. A., lieferbar

Wie es mir und meinem Partner Claus Irmscher in den zwanzig Jahren erging, die wir in Ziegenrück leben, können Sie hier in meinen Geschichten lesen. Ich versichere, dass ich mich bei allem strikt an die Wahrheit gehalten habe, soweit sie mir erkennbar war, frei nach der Weisheit: Nur durch die Wahrheit kann man sich Respekt verschaffen. Sollte sich jemand wiedererkennen, obwohl ich die Namen noch hier lebender Personen tunlichst vermieden habe und sich 'auf den Schlips getreten' fühlen, so möchte ich denjenigen der diejenige bitten, das Buch bis zu Ende zu lesen. Es könnte sein, dass ich auch Positives zu berichten habe.

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Bitterer Wein, Hörspiel


Claus Irmscher, ISBN 978-3-9808325-6-4, 1. A. 2004, ,bestellbar, 8,00 €.

 Rezension zum Hörspieltext "Bitterer Wein" von Dr. Detlef Gojowy: 
"Das Hörspiel, entwickelt im Dialog eines Touristenpaares mit in Ungarn entdeckten Ungarndeutschen/­­Donauschwaben, die es nach politischer 'correctness' gar nicht geben könnte, entdeckt Schritt für Schritt mehr, nämlich deren traumatische Nachkriegsgeschichte aus Deportation und Zwangsarbeit, Vertreibung und fortdauernder Enteignung. Dabei konnten ungarische  Staatsbürger deutscher Volks­zugehörigkeit tatsächlich nichts für das Aufkommen des Nationalsozialismus im Reich (auch in Prag ist man sich dessen ja bezüglich der Sudetendeutschen schon bewusst geworden) - sie wurden im Jalta-Europa nicht für Taten bestraft, die sie ...gar nicht begehen konnten, sondern als Deutsche für ihre Sprache und Herkunft. (Und nicht nur in Ungarn geschah das so, sondern im ganzern europäischen Osten, auch in Rumänien, Jugoslawien usw.) Es gibt auch, im Zuge des neuen Europa, Ansätze zur Aufarbeitung solchen Unrechts, zur Rehabilitation einer verfemten Volksgruppe, doch halbherzig und ohne rechtliche Konsequenz, ohne Rückgabe von Eigentum, und wer sich mit Hinweisen allzu mausig macht, kann auch mal wegen Verhetzung kurz verhaftet werden, (wie zugespitzt geschildert). So die dokumentarische Botschaft dieses Hörspiels, das den Kunstpreis des BdV- Landesverbandes Thüringen der Sparte Literatur erhielt.Was seine Medienchancen betrifft, muss man wohl skeptisch sein, denn bekanntlich gibt es mehr oder weniger Gewünschtes.
   "Ich danke Ihnen sehr für das Hörspiel "Bitterer Wein" das ja sehr lebendig und in der Tat bewegend das bittere Schicksal von Verfolgung und Vertreibung der ungarischen Donauschwaben darstellt. Meinen Glückwunsch für den Kunstpreis, den es erhalten hat! Ich hoffe, dass es bald einmal aufgeführt wird. Das Nichtinteresse am Schicksal der deutschen Vertriebenen ist bedrückend..."
(Aus einem Brief des Diplomaten und Ehren-vorsitzenden des FDA, Herrn Dr. Volkmar Zühlsdorff).

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Gedächtnis und Ausblick

8,00 €

Essays, Claus Irmscher, Hg. u. Autor, ISBN 978-3-941892-02-6; 127 Seiten, 1. A., 2009; vergriffen.

Die Essays beschäftigen sich mit der Ethik Dietrich Bonhoeffers, der 'Dichtung zwischen Markt und Anspruch und dem Gedicht 'Pilatus', der 'Thüringer Dichtung', dem Verfertigen von Gedichten, Gedanken zum Potsdamer Abkommen und den Benesch-Dekreten, der 'Ethnischen Säuberung', der Geschichte "Gretchen, die griechische Land­schildkröte", dem Aufbau und Charakter der Fabel und Geschichten von Dieter Wolf, Rudolf Pöhlig und dem Gedicht "Elegie für Martha S. vom Herausgeber."

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Alltags-Aufmerksamkeiten

Gedichte von Ilse Tödt, ISBN 978-3-941892-35-4, 104 Seiten, 10,00 €.

Die Hausfrau als Dichterin: In der Hand die Essigflasche,/Schreibblock in der Schürzentasche,/sorgt sie sich um Geist und Magen./Hoffentlich kann man´s vertragen! (Als junge Frau geschrieben).

Herbst-Rose

Die Rose bittet noch: vom Frost verschone!/Mit Cirrus wird der Himmelsstahl gefegt./Der Baum hat alles Laub sich unterlegt,/gelbleuchtend rund, ein Spiegel seiner Krone./Nun widerstrahlt Gestorbenes das Licht.

Die Saale bei Ziegenrück

Neulich war die Saale wild,/staudammflutungs-angefüllt./Wellen leckten böschungsnah./Wer da wohnt, bedroht sich sah./Gestern,als der Ort noch schlief,/schien die Saale schwarz und tief./Strudelzunge zog entlang/ unterm Ziegenrückenhang./Heute glänzt sie frühlicht-grün./Blesshuhnvolk befährt sie kühn;/eins verschwindet, taucht zum Grund,/hoffnungsvoll auf Futterfund.

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Neue Alltags-Aufmerksamkeiten

Gedichte von llse Tödt, ISBN 978-3-941892-36-1, 87 Seiten,  10,00 €.

4. April 2018 Hannover-Waldhausen Am Landwehrgraben

Dieses edle Katzentier/fremdelt vorerst noch allhier./Bloß für seine schmalen Pfoten/weißer Strumpf ist aufgeboten;/vor sonst rabenschwarzem Fell/steht das Schnurrhaar silberhell./Auf dem Fußsteig Platz genommen/hat es, als ich hergekommen,/es bewundernd zu betrachten./Blaue Augen mich beachten./Dann umkreist den linken Fuß/mir das Tier zum scheuen Gruß./Zu uns tritt aus dem Gebüsch/graue Tigerkatze frisch,/die mir um die Beine schmeichelt,/meinerseits vertraut gestreichelt./Dieser Mensch und dieses Tier/kennen sich vom Wohnen hier./Katzensprung, den Fremdling machte,/ihn auf stolzen Hochsitz brachte,/wo erhaben er sinniert,/ob er werde akzeptiert./- Erstgewitter zog hinweg./Wo wohl fanden sie Versteck?